Wirtschaftliches Umfeld

Wirtschaftliches Umfeld

Europa

Die wirtschaftliche Entwicklung in Europa blieb zu Beginn des Geschäftsjahres 2026/27 verhalten. Der Euroraum zeigte nur eine geringe konjunkturelle Dynamik. Für den weiteren Verlauf des Kalenderjahres wird weiterhin nur ein moderates Wachstum erwartet. Stabilisierend wirkten die in Deutschland beschlossenen Infrastrukturinvestitionen sowie höhere Ausgaben für die europäische Sicherheits- und Verteidigungsarchitektur.

Die Europäische Zentralbank hat zuletzt erste Schritte in Richtung einer restriktiveren Geldpolitik gesetzt. Zwar hatte sich die Inflationsdynamik etwas abgeschwächt, der Konflikt im Mittleren Osten geht jedoch mit Unsicherheiten auf der Energieseite einher. Damit bleiben die Inflationsrisiken erhöht. Der Arbeitsmarkt zeigte sich trotz des schwierigen konjunkturellen Umfelds robust.

Bestimmend für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa blieb die handelspolitische Unsicherheit. Die US-Zollpolitik belastete weiterhin das Investitionsklima. Gleichzeitig verbesserte sich der handelspolitische Rahmen für die europäische Stahlindustrie. Mit den neuen EU-Safeguard-Nachfolgemaßnahmen und dem CO2-Grenzausgleichsmechanismus wurden in diesem Jahr Schutzmaßnahmen etabliert, die den europäischen Stahlmarkt wirksamer vor Importdruck absichern sollen. Kurzfristig wirkten jedoch hohe Lagerbestände belastend auf die Marktpreise.

Die Nachfrage in den Bereichen Bau, Maschinenbau und Stahlbau blieb weiterhin gedämpft. Eine nachhaltige Belebung der Bautätigkeit war nicht erkennbar. Die Automobilindustrie zeigte ein differenziertes Bild. Im Flachstahlbereich konnte die voestalpine dank hoher Produktqualität und Liefertreue Marktanteile sichern und die Nachfrage stabil halten. Das Marktumfeld im Bereich Automotive Components blieb hingegen schwierig. Strategisch wichtige Wachstumssegmente wie Eisenbahninfrastruktur, Luftfahrt und Lagertechnik entwickelten sich weiterhin positiv.

USA/Nordamerika

Die wirtschaftliche Entwicklung in Nordamerika zeigte zu Beginn des Geschäftsjahres 2026/27 weiterhin eine solide Grunddynamik. Die US-Wirtschaft blieb auf Wachstumskurs, wenngleich sich das Wachstumstempo normalisierte. Wesentliche Stützen waren der private Konsum sowie Investitionen im Umfeld künstlicher Intelligenz. Die Industrieindikatoren zeigten sich zuletzt etwas verhaltener, blieben jedoch weiterhin im expansiven Bereich.

Die US-Notenbank beließ ihre Geldpolitik zunächst unverändert. Aufgrund weiterhin erhöhter Inflationsrisiken bleibt der geldpolitische Spielraum begrenzt. Die erneute Eskalation im Nahen Osten führte auch in Nordamerika zu steigenden Energiepreisen und erhöhter Unsicherheit. Erste positive Impulse waren im Bereich der Öl- und Gasexploration erkennbar. Geopolitische Risiken und mögliche weitere Eskalationsschritte bleiben eine wesentliche Belastung für den Ausblick.

Die handelspolitischen Rahmenbedingungen blieben für die nordamerikanischen voestalpine-Standorte prägend. US-Zollmaßnahmen wirkten dämpfend auf das Bestellverhalten. Trotz erster positiver Impulse in der Öl- und Gasindustrie blieb die Nachfrage nach voestalpine-Produkten für diese Anwendungen weiterhin durch die Zollmaßnahmen belastet. Auch der Markt für Rohre und Profile blieb durch hohen Wettbewerb herausfordernd. Das Umfeld bei Automotive Components zeigte sich weiterhin herausfordernd. Dagegen entwickelten sich Luftfahrt, Eisenbahnsysteme und Lagertechnik positiv und bildeten stabile Ertragssäulen.

Brasilien/Südamerika

Die brasilianische Wirtschaft, für den voestalpine-Konzern der wichtigste südamerikanische Markt, setzte ihren moderaten Wachstumstrend fort, wenngleich mit nachlassender Dynamik. Der Dienstleistungssektor und die Agrarwirtschaft leisteten weiterhin positive Beiträge. Hohe Finanzierungskosten belasteten hingegen Industrieproduktion und Investitionstätigkeit. Zusätzlich wirkten erhöhte chinesische Importe sowie drohende US-Strafzölle belastend auf den brasilianischen Industriesektor.

Die brasilianische Zentralbank leitete eine vorsichtige Zinswende ein. Die Finanzierungskosten blieben jedoch weiterhin auf hohem Niveau. Positive Impulse gingen von der vorläufigen Anwendung des EU-Mercosur-Interimshandelsabkommens aus.

Für die brasilianischen voestalpine-Standorte blieb das Marktumfeld insgesamt anspruchsvoll. Im Spezialstahlbereich waren zu Beginn des Geschäftsjahres leicht positive Nachfragetendenzen erkennbar. Tubes & Sections entwickelte sich differenziert. Railway Systems verzeichnete erneut eine stabile und robuste Nachfrage.

China/Asien

Das wirtschaftliche Umfeld in China war weiterhin von handelspolitischen Spannungen, Diskussionen über chinesische Überkapazitäten und einer starken Exportorientierung geprägt. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum blieb positiv und wurde wesentlich von robusten Exporten, insbesondere im Technologiebereich, unterstützt. Gleichzeitig entwickelte sich die Binnenwirtschaft verhalten. Gedämpftes Konsumentenvertrauen, ein schwächerer Arbeitsmarkt und die fortgesetzte Anpassung im Immobiliensektor belasteten die Nachfrage. Eine breite Erholung der Bauindustrie war weiterhin nicht erkennbar.

Die Gespräche zwischen der EU und China über Handelsungleichgewichte und Überkapazitäten hielten auch im Berichtszeitraum an.

Die Spannungen rund um die Straße von Hormus belasteten asiatische Länder besonders stark, da diese in hohem Ausmaß auf Energieimporte aus dem Persischen Golf angewiesen sind. Für China bedeutete der anhaltende Energiepreisschock eine zusätzliche Belastung der Produktionskosten und dämpfte die ohnehin verhaltene Binnennachfrage weiter.

High-Tech-Industrien wie der Spezialmaschinenbau entwickelten sich weiterhin positiv, wenngleich mit nachlassender Dynamik. Die Produktion deutscher Automobilhersteller in China entwickelte sich verhalten. Positiv entwickelte sich die Nachfrage nach hochqualitativem Werkzeugstahl. Auch der Markt für Eisenbahninfrastruktur blieb stabil.

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